"arbeitsscheu-abnormal-asozial"- Zur Geschichte der Berliner Arbeitshäuser
Die Rummelsburger Bucht in Berlin Lichtenberg: sanierte Eigentumswohnungen, Townhouses für den anspruchvollen Geschmack. Das Gebiet in Wassernähe ist heute im baulichen Aufschwung begriffen. Genau an diesem Ort aber wurde Ende des 19. Jahrhunderts das größte Arbeitshaus Preußens für mehr als 1000 Menschen errichtet. Die Gebäude stehen noch heute, aber an ihre wechselvolle Geschichte erinnert nahezu nichts. Obdachlose, sozial Auffällige, Prostituierte, Homosexuelle und vor allem arme Menschen, die später als „Asoziale“ bezeichnet wurden saßen dort ein und mußten Zwangsarbeit verrichten. Mit dem Nationalsozialismus erreichte die Ausgrenzung der „Asozialen“ ihren Höhepunkt.
Der 30minütige Dokumentarfilm wirft einen Blick auf die vergessene Geschichte der Berliner Arbeitshäuser, schwerpunktmäßig auf das Arbeitshaus Rummelsburg. Zu Wort kommen Akteure, die etwas mit diesem Ort zu tun haben wie beispielsweise Bruno S. ein Künstler und Straßenmusiker, der schon durch Filme von Werner Herzog Berühmtheit erlangte (Kaspar Hauser) . Weiterhin werden ein Historiker, eine Pensionswirtin, die ihre Gäste im ehemaligen Arresthaus des Arbeitshauses beherbergt und eine Aktive des Arbeitskreises Marginalisierte befragt. Sie erinnern mit Gedenkveranstaltungen an die Geschichte der „Asozialen“ während des Nationalsozialismus. Fragmentarisch kommen die einzelnen Erzählungen zusammen. Die Geschichte des Ortes ist noch längst nicht umfassend erforscht. Bis in die 50er Jahre wurde das Gelände als Arbeitshaus genutzt, später während der Zeit der DDR als Gefängnis.
Der Bogen wird weit gespannt. Vom preußischen Arbeitsethos bishin zu Hartz IV thematisiert der Film welche Auswirkungen staatliche Abhängigkeit auf das Leben derer hat, die aus den Rastern eines vorherrschenden Arbeitsethos heraus fallen.
The Rummelsburg Bay in Berlin Lichtenberg: refurbished condominiums, townhouses for discerning tastes. The area near the water is now undergoing a structural boom. At the end of the 19th century, the largest workhouse in Prussia for more than 1000 people was built at this very spot. The buildings are still standing today, but there is almost nothing to remind you of their checkered history. The homeless, the socially conspicuous, prostitutes, homosexuals and, above all, poor people who were later referred to as “asocial” were imprisoned there and had to do forced labour. With National Socialism, the exclusion of the "asocial" reached its peak.
The 30-minute documentary takes a look at the forgotten history of Berlin's workhouses, with a focus on the Rummelsburg workhouse. Actors who have something to do with this place have their say, such as Bruno S., an artist and street musician who became famous through films by Werner Herzog (Kaspar Hauser). Furthermore, a historian, a boarding housekeeper who accommodates her guests in the former detention center of the workhouse and an active member of the working group on the marginalized are interviewed. They commemorate the history of the "asocial" during National Socialism with commemorative events. The individual stories come together fragmentarily. The history of the place has not yet been fully explored. The site was used as a workhouse until the 1950s, later as a prison during the GDR era.
Buch und Regie: Andrea Behrendt
Schnitt: Kirsten Bilz, Andrea Behrendt
Kamera: Kirsten Bilz
30 Min., 2010